A Blaze in the Northern Sky – Reise ins Herz von Norwegen

Karge Felslandschaften, sanfte Täler, sonnendurchschienene Kiefernwälder, verregnete Gebirge: Norwegen ist ein Land der Gegensätze, wo verschiedene Welten aufeinandertreffen. Wir sind im Begriff, Norwegen zu durchqueren, kennenzulernen und etwas mitzunehmen aus diesem durchaus widersprüchlichen, anderen und doch ursprünglichen europäischen Land.

Extreme auszuloten, dieses Ziel hatte sich Anfang der 1990er Jahre eine eng verschworene jugendliche Szene aus Skandinavien gesetzt. Mord, Selbstmord, Gewalt und Brandstiftung waren die Folge. Norwegen ist untrennbar mit der Entstehung der kleinen, aber radikalen Black-Metal-Subkultur verbunden. Wenn wir durch Norwegen reisen, dann kehren wir damit auch zurück in die frühen Neunziger, in die Zeit, als jene eng verschworene Gruppe dem Land ihren Stempel aufdrückte.

Es fällt schwer, sich auf norwegischen Straßen zu konzentrieren. Zu atemberaubend ist die Landschaft, die wir durchfahren. Wir fahren Richtung Bergen, Norwegens zweitgrößter Stadt. Es regnet, Nebelschwaden durchziehen den Fjord. Am Fuße der hunderte Meter hohen Berge schlängelt sich unsere schmale Straße gleich einem dünnen Faden entlang. Norwegisches Reisen erfordert norwegische Musik: für uns ist das ganz klar der Black Metal. Denn wenn Ghetto-Rap zu Großstädten und Desert Rock zu staubigen Wüsten gehört, dann muss man in Skandinavien eben die oftmals als »faschistisch«, »satanistisch« oder einfach nur als »Krach« bezeichnete Metal-Musik hören. 

we are a blaze in the Northern sky!

In einem furchterregenden Präludium bereitet uns eine verzerrte Stimme auf das Folgende vor. Mit unfassbarer Raserei fluten Darkthrone den Innenraum unseres Autos – und die Köpfe der jungen Norweger, die 1992 ihr Dasein in den elterlichen, allzu bürgerlichen Eigentumswohnungen Oslos, Bergens, Trondheims und Stavangers fristeten. Für viele ist die Ankündigung im Intro des zweiten Darkthrone-Albums mit dem gleichen Titel, »A Blaze In The Northern Sky«, genau das: ein Fanal, das zum Sturm gegen das Alte und Bekannte bläst, d.h. Pop-Musik, Konventionen, sonntägliche Kirchenbesuche, Eigentumswohnungsidylle.

Die schnelle, raue, kratzige, wilde Musik, die jetzt durch die Lautsprecher dröhnt, ist anders und war anders als alles, was die frühen 90er zu bieten hatten: Guns n‘ Roses, Nirvana und Michael Jackson dominierten damals die Charts. Wer Heavy Metal hörte, kennt Iron Maiden und Metallica, andere feierten bereits den aufkommenden Death Metal. Darkthrone waren anders, radikaler. Hörgenuss stand nicht im Vordergrund, es gab keine Melodien, keine Mitsing-Refrains, keine Party-Stücke. Die meisten Stücke waren mit voller Absicht unter primitivsten Umständen aufgenommen worden. Manche Lieder lassen uns sogar glauben, dass die Musikanlage kaputt gegangen wäre. 

Im skandinavischen Untergrund wusste man natürlich schon längst Bescheid: Bereits seit einigen Jahren werkelte man dort am musikalischen Umsturz des Bestehenden. Knappe zehn Jahre vorher hatten Gruppen wie Venom, Bathory oder Celtic Frost den Grundstein für die neue »Antimusik« gelegt. Ihr Heavy Metal ist schneller, roher und kompromissloser als der der Genre-Platzhirsche, die längst Charterfolge für sich verbuchen konnten.

Und: Die Nachwuchsmusiker kombinierten ihre aus der Hüfte gespielte Musik mit »satanistischen« Texten und entsprechendem Auftreten. In den meisten Fällen war dieses Image aber nur Fassade, wirkliche Satanisten verstecken sich weder bei den Briten von Venom noch bei den schwedischen Bathory. Doch auch Jahrzehnte später, nachdem prüde Hausfrauen und Moralapostel auf Rock-Schallplatten nach versteckten satanischen Botschaften suchten, schockierte das diabolische Auftreten. Aufgrund dieses großen Eindrucks, den Venomund Co. auf die Norweger machten, werden diese als »erste Welle des Black Metals« bezeichnet, im Gegensatz zur Szene in Norwegen, die die »zweite Welle« bilden.

Only one single lamp do show me this way
And that is the eye of Satan

Für die Bands, die dies im norwegischen Untergrund aufgreifen, ging es jedoch um mehr als ein Image. In satanischen Texten und misanthropischen Weltanschauungen spiegelte sich die Abneigung gegen die eigene Lebensrealität wider, gegen das bürgerliche Leben, gegen die Vorgartenidylle der elterlichen Heime. It’s the true face of evil, gröhlen Darkthrone noch im ersten Lied ins Mikrofon – und meinen damit ihre eigene Musik. 

Der Band um die beiden Musiker Fenriz und Nocturno Culto gebührt zwar die Ehre, den ersten Langspieler mit purem norwegischen Black Metal veröffentlicht zu haben, bei Mayhem aus Oslo handelt es sich aber um die erste norwegische Band, die damit begonnen hatte, sich von ihren Death-Metal-Wurzeln zu lösen und ein neues Genre zu begründen. Mayhems Geschichte ist auch die ihres Gitarristen Øystein Aarseth, der wie die meisten Black-Metal-Musiker unter einem Pseudonym auftritt: Euronymous.

Über sein Leben findet sich genügend Literatur und sogar ein vor kurzem erschienener Spielfilm, der hinlänglich bekannt sein dürfte. Zusammen mit seinem zur Selbstzerstörung neigenden Sänger Per »Dead« Ohlin prägte er den Sound des Black Metals für immer. Der Selbstmord »Deads« 1991 machte Mayhem noch populärer. Die Tatsache, dass Euronymous nach dem Freitod die Leiche seines Freundes abfotografiert und Teile des Schädels zu Amuletten verarbeitet hatte, legte bereits nahe, dass das »böse« Image der jungen Norweger mehr als nur ein Großeltern-Schreck war. 

Living for the quest and the search
Dying for the key, Living for the domains
Arise northern spirit and come forth under

Kurz vor Bergen biegen wir von der gut ausgebauten Straße ab, um einen südlicheren Bezirk der Stadt aufzusuchen. Es ist nicht das erste Mal, dass wir genau dort die Abfahrt nehmen, doch jedes Mal begleiten uns zwei Dinge: der Regen, der über Bergen wie über keiner anderen Stadt liegt, und die getragenen Klänge von Burzum, einer der zweifelsohne berüchtigtsten Bands der Szene. Warum das so ist, hat mit dem Holzbauwerk zu tun, das sich nun vor uns zwischen Nadelbäumen und moosüberwachsenen Felsen in den wolkenverhangenen Himmel reckt. Wir stehen vor der Fantoft-Stabkirche. Wie viele Kirchen wurde sie auf altem heidnischen Kultboden erbaut und diente damit als Symbol für den neuen Glauben, der die Wikinger zu Christen machte. 

Fantoft-Stabkirche

Wer wie wir über Euronymous schreibt, der muss auch von Varg Vikernes berichten, dem Kopf hinter dem Ein-Mann-Projekt Burzum. Der junge Musiker trug damals noch das Pseudonym Count Grishnackh, eines Orks aus dem Tolkien-Kosmos. Auch der Name seiner Band Burzum ist dem Herr-der-Ringe-Universum entnommen: In der dunklen Sprache Mordors bedeutet das Wort »Dunkelheit«. Vikernes erklärte dazu: »The ›darkness‹ of the Christians was of course my ›light‹. So all in all it was natural for me to use the name Burzum.«

Hier verbindet sich die Anti-Alles-Einstellung dieser frühen Black-Metal-Szene mit der krassen antichristlichen Haltung, die so prägend für das Genre sein sollte. Das Christentum wurde in diesem Sinne als »Invasor« gesehen, der den alten Glauben der Wikinger verdrängte. Im Text zu »Lost Wisdom«, einem der ältesten Burzum-Songs, findet sich bereits die Kritik am christlichen Universalismus, die sehr viel weiter greift als die stereotypischen Kitschtexte der ersten Black-Metal-Welle.

Der Song »Dunkelheit«ist sicher der Klassiker aus Vikernes’ Feder, der ganz im Sinne des oben genannten Zitats das Gefühl beschreibt, in die Dunkelheit hineinzugehen, jene Finsternis, die für ihn das Gegenstück zur bekannten »hellen« Seite Norwegens sein musste. Vielleicht waren es die dunklen Nächte, die Vikernes von der enggewordenen Bürgertums-Idylle entkoppelten und in eine Zeit trugen, wo Mythen und Sagen noch Realität werden konnten, als Kehrseite zur modernen Welt, in der alles in Gartenzäune und strenge Formen gepresst ist. 

In every night I wish that I was back
To the time when I rode
Through the forests of old

Die Rebellion der Black-Metaller sollte sich jedoch nicht nur in Texten und in einer neuen Spielweise der Musik niederschlagen, sondern darüber hinaus gehen. Euronymous, der als Kopf der Szene in Norwegen angesehen und als »King of Black Metal« tituliert wurde, fasste die Dimension zusammen: »[…] we don’t need more bands, we need terrorists…«.

Taten sollten folgen. Am 6. Juni 1992 brannte die Fantoft-Stabkirche, vor der wir just in diesem Moment stehen, vollständig nieder. Varg Vikernes – Count Grishnackh – wird bis heute der Tat verdächtigt, verurteilt werden konnte er dafür nie. Für das Cover der Burzum-EP »Aske« (dt. »Asche«) verwendete er ein Bild der schmorenden Überreste des Gotteshauses. Es war nur der Beginn einer ganzen Serie von Brandanschlägen auf Kirchen im ganzen Land, die dazu führte, dass die Black-Metal-Szene bald in aller Munde war. 

Wir wenden uns wieder ab von dem Holzgebäude, das wenig später nach dem Brand wiederaufgebaut wurde. Von den Stabkirchen, die wir im Verlauf unserer Reise durch Norwegen besucht haben, ist sie für uns nur durch dieses Ereignis im Sommer 1992 interessant. Zuvor haben wir die älteren Kirchen in Urnes und Vik besucht, die wesentlich eindrucksvoller sind. Was die Stabkirchen besonders macht, ist ihre an die skandinavischen Verhältnisse angepasste hölzerne Bauweise und die vielfältigen Schnitzereien, die eben doch eine Art regionale Identität ins christliche Zeitalter hinüberretten konnten. 

Ähnliches trifft auch auf den Black Metal zu: Obwohl ein modernes, um nicht zu sagen avantgardistisches Heavy-Metal-Derivat, schaffen es die norwegischen Musiker, ihrem Erzeugnis eine eigene, identitäre Note beizumischen. Was man recht früh bemerkt, ist die hohe Dichte an norwegischen Texten, die auf meist krächzige, manchmal aber auch hymnisch vorgetragene Art dargeboten werden.

Die Gruppe Ulver verbindet in ihrer Frühphase harsche Black-Metal-Passagen mit folkloristischen Einschüben und erzählt in ihren poetischen, norwegischen Texten von mit Trollen gefüllten Märchenwelten. Mit diesen Einsprengseln an Heimatverbundenheit sind sie bei weitem nicht alleine. Wer Black Metal für wenig abwechslungsreichen Krach hält, muss eines Besseren belehrt werden: Die Musik ist so vielfältig wie das Land – manchmal schroff und kalt, manchmal heimelig und voller Leben; uralt und sehr majestätisch. 

From the slumber arise
Triumphant Beast of forgotten times
The Pentagram Burns
and the clock strikes the hour

The final hour

Unser nächstes Ziel liegt in der Bergener Innenstadt. Der Ort an der Küste hat sein ganz eigenes Flair und auch eine recht deutsche Prägung, die der Geschichte als Hansestadt geschuldet ist. In den 1990ern spielte sich der Großteil der Black-Metal-Welt in und um Oslo ab, dort befand sich auch der legendäre Plattenlanden von Euronymous, das Helvete (dt. »Hölle«). Heute ist davon nichts mehr zu sehen, weshalb wir uns auf dieser Reise den Weg in die typisch westliche Großstadt Oslo sparen.

Ein weiteres Zentrum war und ist Bergen. Nicht nur Varg Vikernes stammt von hier, sondern auch eine Reihe weiterer Black-Metal-Musiker, wie etwa Immortal und Taake. Auch die Gruppe Gorgoroth wurde hier gegründet, ihr ehemaliger Sänger Gaahl hat heute hier, mitten in der Touristenmeile, sogar eine Galerie eröffnet. Bei strömendem Regen (Bergen ist laut Wikipedia mit 248 Regentagen die »regenreichste Großstadt Europas«) überqueren wir den Fischmarkt, an dem allerhand Zutaten aus dem Meer erworben werden können und steuern die Bryggen an, den ehemaligen Hansekontor, wo heute zahlreiche Souvenirläden, Pubs und Einkaufsgeschäfte Platz finden. Und kurioserweise Gaahls Ausstellungsraum, den wir über eine kleine Treppe betreten. 

An deren Ende wartet bereits der Sänger, der über das Gelände lehnend gedankenverloren ins Leere starrt. Wir betreten die hellen Räume der Galerie, die so gar nicht zur Black-Metal-Atmosphäre passen wollen. Wir nehmen uns die Zeit, die expressionistischen Schwarz-Weiß-Gemälde an den Wänden zu begutachten, die grobe und verwischte Figuren zeigen. Wir betreten einen weiteren, kleinen Raum, der Merchandise verschiedener Bands beherbergt. Dort findet sich eine Pinnwand voller Fotos befreundeter Bands; dann fällt unser Blick auf eine Vitrine, die ein Artwork der brennenden Fantoft-Kirche beinhaltet. 

Gaahl betritt den Raum. Wir kennen seine Bühnen-Erscheinung, umgeben von abgehackten Tierköpfen und meterhohen Flammenfontänen, mit weißer Farbe und Blut im Gesicht. Hier wirkt er wie ein durchschnittlicher Grufti, er trägt eine Lederjacke und die Haare hinter dem Kopf zusammengebunden. Uns – die einzigen Besucher – ignoriert er geflissentlich und tritt ans Fenster, wo er weiterstarrt. Wir versuchen, die Person dort mit dem Gaahl zu vergleichen, den wir aus Interviews kennen. Dort sagte er etwa solche Dinge: »Church burnings and all these things are, of course, a thing that I support a hundred percent. And it should’ve been done much more and will be done much more in the future.«Das Kunstwerk in der Vitrine zeigt uns, dass sich daran wohl wenig geändert hat. Nur Kirchen brennen keine mehr. 

Reue für die Eskalation? Vielleicht nur insoweit, da so das Fenster für ein viel breiteres Publikum aufgestoßen wurde und es Bands wie Satyricon und Immortal Verträge bei Major-Labels einbrachte – was den Tod des eng abgesteckten Pfads der kleinen Szene bedeuten würde. Spätestens ab Ende der 90er war Black Metal musikalisch auch im Metal-Mainstream angekommen, also dort, wo der »Black Circle« um Euronymous die Musik nie sehen wollte.

Hinlänglich bekannt sein sollte zudem die Tatsache, dass der Gitarrist von Mayhem den Zenit seiner eigenen Bewegung nicht überleben sollte: Im August 1993 wurde Euronymous von Varg Vikernes mit zahlreichen Messerstichen getötet, die Gründe hierfür sind bis heute diffus. Zur Bekanntheit der Musik und zum überlebensgroßen Kultstatus des Toten trug das aber zweifelsfrei ebenso bei wie die Brandstiftungen und andere Gewaltverbrechen der Szene. 

That which once was is now gone
all the blood…
all longing and sorrow that ruled
and the feelings that could be stirred
are gone…
forever…
we have never lived

Wir verlassen Bergen durchnässt Richtung Süden. Wieder verändert sich die Landschaft, wir fahren jetzt durch ein wahrhaftiges Felsenmeer. Die steilen und kantigen Berge sind verschwunden und die endlosen Wälder liegen hinter uns, stattdessen eilen wir von Felsinsel zu Felsinsel. Das graue Gestein geht nahtlos in den grauen Himmel und die dunklen Wellen über. Wo Moos wächst, heben sich bald weiße Wattebausche ab, wenn Schafe, ohne durch Zäune gehindert zu werden, nach Nahrung suchen. Das alte Erbe Norwegens ist nicht immer zu sehen, aber immer präsent.

Wir befinden uns auf der Höhe von Haugesund. Dort hinten, wo gerade die Sonne hinter einer Insel untergeht, liegt Avaldsnes. Schon lange, bevor Harald Hårfagre hier Ende des 9. Jahrhunderts den ersten Königshof Norwegens errichtete, waren die karg anmutenden Inseln von Bauern, Fischern und Kriegern bewohnt. Der Ort lag strategisch günstig: Von Avaldsnes lässt sich der Wasserweg kontrollieren, der nach Norden führt und Norwegen seinen Namen gab, der Nord-Vegen. Noch bevor die Nacht die Küste von Haugesund umfängt, fahren wir weiter, stets nach Süden. 

Wenn es eine Sache gibt, die uns an Norwegen fasziniert – abgesehen von der Möglichkeit, zehn Kilometer zu fahren, ohne eine Menschenseele zu treffen – dann ist es das scheinbar unbekümmerte Nebeneinander von Alt und Neu. Man kann nur wenige Meter nahe der eigentlich so modernen Zivilisation mit Supermarkt, WLAN und TV-Schüssel noch Überreste der Menschen finden, die hier zuvor gelebt haben. Mehr zufällig sind wir über einen solchen Ort gestolpert. Wir stehen in einer kleinen Häusersiedlung unweit von Stavanger. Wir sehen uns an, als müsste man sich fragen, was wir hier eigentlich treiben. Wir suchen etwas. 

Weniger Schritte später taucht hinter der Fassade eines Holzhauses eine mächtige Felswand auf. Bei genauerer Betrachtung zeichnen sich rotglühende Linien auf dem feuchten Gestein ab. Eine Armada von Langbooten wurde in Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte langer Arbeit in den Felsen geritzt. Wir erkennen Menschen, die ihre Gefährte steuern und ihre Hände gen Sonne recken, die sie anbeten. Daneben sind kleine Hand- und Fußabdrücke in den Fels gemeißelt worden und markieren die Orte, wo im Glauben der Menschen damals die Gottheit ihre Spuren hinterlassen hatte, in der Hoffnung, ihnen reiche Ernte zu gewähren. Auch eine Art primitiver Opferaltar findet sich hier – was hier geopfert wurde, wissen wir nicht.

I gaze in awe
Wondering who and what was here before
I made my mark on that sacred soil

Für uns geht es weiter in den sonnigeren Süden der skandinavischen Halbinsel, welche in diesen Monaten zum Tummelplatz unzähliger – größtenteils norwegischer, deutscher und niederländischer – Urlauber wird. Ohne die Bewohner des schönen Landes zu sehr verärgern zu wollen, muss man doch festhalten, dass der kleinbürgerlich-spießige Charakterzug des Völkchens diesseits des Skagerraks hier noch deutlicher zu Tage tritt. Überschreitet man in Norwegen nach Norden hin einen bestimmten Breitengrad, kann es sein, dass man kilometerlang auf der Straße fährt, ohne ein Auto, ein Dörfchen oder gar ein Haus mit Vorgarten anzutreffen.

Derweil haben wir um Kristiansand herum beinahe ständig ein überdimensioniertes Wohnmobil vor der Motorhaube und fahren von Feriensiedlung zu Feriensiedlung. Gut, das ist unser selbstgewähltes Schicksal, man hätte sich ja auch nördlich des Sognefjords zwei Wochen im Gebirge verschanzen können, ohne eine Menschenseele treffen zu müssen. 

Die erwähnte Vorgartenidylle bekommen wir hier freilich zu Genüge zu Gesicht. Über 25 Jahre nach der Rebellion der »zweiten Black-Metal-Welle« ist wenig von der Energie und der Dynamik übriggeblieben. Die Szene ist in alle Winde zerstreut. Der zum Meme gewordene Vikernes betrieb nach seiner Haftentlassung eine Art Video-Lebensberatung, wo er über Kampfsport, Tarnjacken, Politik und Outdoor-Themen philosophierte, bis er im Zuge der großen YouTube-Löschungen ebenfalls den Kanal gesperrt bekam.

Zahlreiche norwegische Bands der frühen 90er haben ihren Stil erweitert oder verwässert und spielen auf den Bühnen von Wacken und Konsorten. Andere Gruppen halten weiterhin am puristischen Konzept ihrer Wurzeln fest und bedienen eher kleinere Fankurven. Nach einer großen, veränderungshungrigen Szene, die sogar bereit wäre, die Grenzen des Musikalischen zu überschreiten, sucht man in Norwegen vergebens. Vielleicht konnte man ihn ja von Bergen oder Oslo aus sehen, den Moment, als die Welle sich brach und zurückfloss. 

Wir sitzen immer noch hinter dem Steuer, doch sind wir inzwischen in Larvik angekommen, dem vorläufigen Ende unserer Reise. Wir warten auf die Fähre, die uns zurück nach Dänemark bringen wird. »Mother North« soll die musikalische Untermalung für die letzten Minuten sein, ein Salut an die großartige Natur dieses Landes und gnadenlose Abrechnung mit all denen, die sich verschworen haben, die ewigen Gesetze auszuhebeln. Ob damit nun das Christentum, Umweltverpester oder das spießige Bürgertum gemeint sein mögen, liegt an uns. Mother north, united we stand, together we walk/ Phantom north, I’ll be there when you hunt them down.

(Autor: Volker Zierke)

Schreckgespenst Planwirtschaft: Für einen differenzierten Blick auf eine ambitionierte Wirtschaftsordnung

Sowohl im politischen Establishment als auch in weiten Teilen der Bevölkerung ist der Begriff der Schreckgespenst Planwirtschaft: Für einen differenzierten Blick auf eine ambitionierte Wirtschaftsordnung weiterlesen