Nach Hausbesetzung in Rom: Interview mit Simone Di Stefano

Simone Di Stefano ist Vizepräsident der italienischen Bewegung »CasaPound« (CPI) und Mitstreiter der ersten Stunde. Nachdem die Bewegung kürzlich die Zwangsräumung italienischer Familien durch eine spontane Hausbesetzung zu verhindern versuchte (wir berichteten) – bei der Di Stefano verhaftet und inhaftiert wurde – haben wir ein exklusives Interview mit ihm geführt.

Ciao Simone, könntest Du uns kurz erklären, was vor etwa drei Wochen in der Nähe des Kolosseums passiert ist?

Ganz einfach: Zwei arme römische Familien, die seit auch 30 Jahren in sehr kleinen, der Stadt Rom gehörenden Wohnungen leben, wurden brutal zwangsgeräumt. Unter den rausgeschmissenen Bewohnern waren auch eine an Diabetes leidende Rentnerin mit Mindestpension und zwei behinderte Menschen. Die Räumung wurde von einer Spezialeinheit der Stadtpolizei vollzogen, die für solche Aufgaben zuständig ist. Die Räumung war so ungewöhnlich gewaltsam, dass der Vater des behinderten Jungen, der selbstverständlich aufgeregt war und protestiert hat, aber dabei nicht handgreiflich wurde, sogar mit Handschellen fixiert und verhaftet wurde. Die Polizisten haben jedoch nicht nur die Bewohner plötzlich rausgeschmissen, sondern auch völlig rücksichtlos das Mobiliar der Familien aus dem Fenster rausgeworfen – wir haben alles auf Video aufgenommen. Ehrlich: Sowas hatte ich noch nie gesehen!

Welche Rolle spielte CasaPound?

Aktivisten, darunter auch ich, haben diesen zwei Familien unsere Hilfe geboten und Räumungen verhindert. Auch bei der letzten und endgültigen Zwangsräumung haben wir gegen die Maßnahmen der Polizei friedlich und symbolisch protestiert, d. h. – konkret gesagt – nur Wasser und Mehl vom Dach des Gebäudes geworfen. Nicht mehr und nicht weniger. Doch dies war anscheinend ausreichend, um mich und andere 20jährige, nichtvorbestrafte Aktivisten zu verhaften.

Aber war eine Vermittlung wirklich unmöglich?

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Simone Di Stefano während der Hausbesetzung.

Ich denke schon, aber überhaupt nicht unseretwegen. Die Familien haben den Stadtbeamten mehrmals gesagt, sie wollen nicht unbedingt in der Nähe des Kolosseums wohnen. Sie möchten nur eine menschenwürdige Wohnung haben und die Familie nicht trennen. Das war dagegen die »Lösung« der römischen Verwaltungsbehörde: Die kranke Rentnerin in einem Zigeunerlager, weit entfernt von einem Krankenhaus, die Mutter und Kinder in einer »casa-famiglia« [Wohnheim der Jugendhilfe oder Jugendfürsorge, Anm. d. Red.] und der Vater unter einer Brücke. Einmal haben die Beamten die Familien sogar betrogen, indem sie ihnen versprochen haben, dass ein Bungalow in einem Campingplatz zur Verfügung stünde: Als wir sie dorthin gefahren haben, war diese Unterkunft schlichtweg nicht vorhanden. Die Verwaltungsbehörde war also keineswegs daran interessiert, eine echte Lösung zu finden. Das war für uns natürlich inakzeptabel und wir haben uns folglich entschieden, die Wohnungen nochmals zu besetzen und bis zum Schluss standzuhalten.

Wie ist in Italien und Rom die Situation der Wohnungshilfe für Not leidende Familien? Warum haben diese Leute eine Wohnung besetzt?

In großen Städten, vor allem in der Hauptstadt Italiens, ist die Wohnungsnot ein großes und altes Problem. Es ist leider alles andere als ungewöhnlich, dass römische bzw. italienische Familien auch 20 Jahre auf der Warteliste geblieben sind, bis sie eine Sozialwohnung bekommen haben. Es liegt also nahe, dass einige Menschen sich gezwungen gesehen haben, Wohnungen zu besetzen, um sich selbst und ihrer Familie ein würdiges Leben gewährleisten zu können. Manchmal wird eine solche Situation ordnungsgemäß durch einen Vertrag zwischen der Stadt und den Besetzenden geregelt, die normalerweise eine ihrem Einkommen gemäße Miete zahlen. Dies sollte auch für diese zwei Familien der Fall sein, wie der vorige Bürgermeister Ignazio Marino versprochen hatte. Doch mit der neuen Bürgermeisterin Virginia Raggi (Mitglied der »Fünf-Sterne-Bewegung«) hat sich alles verändert. Obwohl sie erklärt hatte, die Verwaltungsbehörde hätte keine Zwangsräumung befohlen, ist jedoch genau das passiert, unter anderem mit einer ungewöhnlichen, unakzeptablen Gewaltsamkeit. Für die angeblichen »Flüchtlinge« wird immer eine Lösung gefunden, ein Hotel ist immer vorhanden. Für die Italiener anscheinend nicht.

Denkst Du, dass die Flüchtlingskrise eine Rolle darin gespielt hat?

Allerdings. Der Punkt ist, dass es viele italienische Familien gibt, die wegen der Wirtschaftskrise in eine katastrophale ökonomische Situation geraten sind und das Recht darauf haben, über eine Sozialwohnung zu verfügen, die die Stadt oder eine staatliche Behörde bereitstellen müsste. Doch der Staat weist die Finanzmittel lieber der Immigrationspolitik zu. So ist die Situation die folgende: Zahlreiche Familien sind gezwungen, eine Wohnung zu besetzen, und werden nach 30 Jahren plötzlich rausgeschmissen, während vom Staat finanzierte 4-Sterne-Hotels illegale Einwanderer beherbergen. Und was vielen Italienern ins Auge fällt, ist, dass es für eine unter Diabetes leidende Rentnerin gar nichts gibt, während es für einen kräftigen und gesunden jungen Mann aus Senegal alles gibt. All das ist für einen deutschen Leser wohl unfassbar; doch in Italien ist es halt so.

Liegt die Schuld also bei den Flüchtlingen?

Das wäre etwas vereinfacht gesagt. Fest steht, dass die Flüchtlingskrise diese Situation nicht verursacht hat, sondern einfach verschärft. Die Wohnungsnot war schon vor diesem unglaublichen Einwandererstrom ein eklatantes Problem. Es gibt also, um das zu präzisieren, zwei Probleme, die sich überschnitten haben: Zu einer atavistischen Lücke des italienischen Sozialstaats ist der Immigrations-Tsunami hinzugekommen, und es ist unmöglich geworden, sich um sowohl die Italiener als auch die angeblichen Flüchtlinge zu kümmern. Doch paradoxerweise hat sich die italienische Politik entschieden, ausgerechnet den zuletzt Gekommenen fast alles zuzuweisen. So ist die »soziale Bombe« geplatzt.

Aber wie viele tatsächliche Flüchtlinge gibt es in Italien?

Sehr wenige. Der Großteil flieht aus keinem Krieg, das ist klar. Doch sobald sie Asyl beantragen, dürfen sie in Italien solange bleiben, bis ihr Antrag bewilligt oder abgelehnt wird. Das kann auch ein Jahr dauern. Und inzwischen werden sie auf unsere Kosten beherbergt und gefüttert, wenn sie nicht den ganzen Tag mit dem Smartphone herumgammeln oder Verbrechen begehen, was leider alles andere als ungewöhnlich ist, wie auch die Deutschen beispielsweise nach der letzten Silvesternacht entdeckt haben. Aber dazu möchte ich eins sagen: Selbst wenn sie echte Flüchtlinge wären, kann der italienische Staat sich erst um sie kümmern, wenn auch der letzte Italiener ein würdiges Obdach bekommen hat. Zuerst muss man dem eigenen Volk helfen, erst dann gerne auch den anderen.

Wer zieht eigentlich Nutzen aus der Flüchtlingskrise?

Da kann man sicher von einem Willkommensbusiness sprechen. Wären die »fürstlichen« Finanzmittel für die Immigration nicht vorhanden, die die katholischen und postkommunistischen Nichtregierungsorganisationen locken, würde sich keiner träumen, so viele Immigranten zu empfangen. Dann gibt es natürlich den ganzen Gutmenschen-Oberbau, der diese letzten Endes lukrativen Geschäfte verbirgt. Das ist doch die harte Wirklichkeit: Wir haben es mit einem ungeheuerlichen Business zu tun. Und die obengenannten Organisationen sind zweifelsohne die Hauptverantwortlichen für diese Situation und die Hauptbegünstigten dieses großen Deals. Denn jede solcher Organisationen bekommt vom Staat 35 Euro pro Tag für jeden angeblichen Flüchtling, um den sie sich kümmert. Es geht also um Milliarden Euro. Diese Problematik schlägt sich doch auch in den anderen europäischen Völkern nieder, und das in zweierlei Hinsicht. Zum einen haben die (ansonsten unnachgiebigen) Brüsseler Eurokraten es Italien erlaubt, das Haushaltsdefizit zu überziehen, um die Flüchtlingskrise bewältigen zu können (darum werden diese Organisationen nicht nur von Italienern, sondern von allen Europäern finanziert). Zum anderen besteht die große Gefahr, dass diese illegalen Einwanderer, nachdem ihr Asylantrag abgelehnt wird (und nachdem sie die italienischen Finanzressourcen aufgefressen haben), ihr Glück in Nordeuropa versuchen. Offensichtlich handelt es sich um ein gesamteuropäisches Problem, das wir alle zusammen lösen müssen.

Und die italienischen Politiker? Auf welche Weise profitieren sie davon?

Außer ein bisschen Geld, das sie mit den Auftragsvergaben zu ihren Freunden der NGO kriegen können, sehe ich ehrlich gesagt keinen Profit. Es ist sogar naheliegend, dass die Popularität eines Politikers, der die Immigration gefördert hat, sinkt, wenn immer mehr Einwanderer kommen. Ich glaube, dass die Ideologie darin eine große Rolle spielt, d. h. die verblendete Idee einer Welt ohne Grenzen, ohne Identität, gar ohne Völker, kurz gesagt: des »Großen Austausches« der Europäer. Da gibt es zudem keinen Unterschied zwischen Rechten und Linken. Die linken Parteien und Bewegungen wollen mehr und neue Wähler, nachdem sie das autochthone Proletariat, das mittlerweile »populistisch« und »rassistisch« geworden sei, im Stich gelassen haben. Die wirtschafsliberale Rechte braucht hingegen neue Sklaven, d. h. kostengünstige Arbeitskräfte, weil die einheimischen Arbeiter es sogar wagen, Anspruch auf einen würdigen Lohn und damit auf ein würdiges Leben zu erheben. Nur noch die sogenannten populistischen oder identitären Bewegungen wollen keine Immigration.

Was können wir also im Konkreten machen?

Wir von CasaPound waren dort, in der Nähe des Kolosseums, um jenen betroffenen Familien zu helfen, aber auch um ein Prinzip zu verwirklichen: Es gibt noch Italiener, die nicht aufgeben. Heutzutage können wir natürlich nicht das ganze Problem lösen, aber wir waren dort, um ein Exempel zu statuieren: Wo unser Volk verraten und misshandelt wird, dort werden wir sein. Immer und überall. Wir alle, die Europäer, müssen also unser eigenes Volk bis zur letzten Konsequenz verteidigen. Wir müssen auf jeder Barrikade kämpfen, damit die verrückte Idee des »Globalismus« das europäische Volk nicht austauscht. Ich benutze völlig bewusst den Begriff »europäisches Volk«, um eine enge Verwandtschaft der Europäer zu betonen, die unbestreitbar ist und sich in 3000 Jahren geformt hat. Die nationalen Identitäten sind zwar stark (und müssen es bleiben) und wir haben uns jahrhundertelang gegenseitig massakriert; dennoch fließt in unserem Blut eine gemeinsame Geschichte und Identität, die gerade die Befürworter des »Großen Austausches« verleugnen bzw. auflösen wollen. Mehr noch: Die Brüsseler Bürokraten tun sogar ihr Bestes, um die Europäer gegeneinander auszuspielen. Das müssen wir mit aller Kraft verhindern.

(Interview und Übersetzung: Ettore Ricci)

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Ein Gedanke zu „Nach Hausbesetzung in Rom: Interview mit Simone Di Stefano“

  1. Jenes Interview hat mir sehr gut gefallen und das im Interview beschriebene, ist für mich als Deutscher keinesfalls “unfassbar”. Die gemeinsame Geschichte der europäischen Völker zu betonen, sagt mir ebenfalls zu,obwohl ich hier auch die Widersprüchlichkeit sehe,die nicht für alle zum Erfolg führen könnte (dies heißt mitnichten,dass Stefano dies unterschlägt).(Erneute/Erweiterte Gedanken – schließlich ist die Debatte nicht so neu – könnten nach der Lektüre der “Europa-Thesen” von Kaiser [Sezession 74] folgen.) Gut war auch, dass er vor die “Rechte” das Wörtchen “wirtschaftsliberal” setzte (“Alte Rechte”),somit bleibt die “Neue Rechte” – nach meinem Verständnis – (vorerst) außen vor.

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