Günter Maschke ist tot

Mit Günter Maschke verstirbt nach Hans-Dietrich Sander (2017) ein weiterer »Renegat« von einst. Geschult in der radikalen Linken, von ihr desillusioniert – und mit einigem Zynismus, den er zeitlebens behielt – abgewandt, wurde er zum rechten Solitär. »Weil niemand mehr brennen will, verdunkelt sich die Welt«, schrieb Maschke im 1997 veröffentlichten Band Das bewaffnete Wort. Er selbst brannte aber seit Jahrzehnten nicht mehr, sondern hatte sich längst mit einer – aus meiner Perspektive: überzeichneten – Ausweglosigkeit praktischer Politik von rechts abgefunden. 

Wer sich genauer für Maschkes Lebensdaten und Lebenszäsuren interessiert, wird im Staatspolitischen Handbuch bzw. hier, vor allem aber in einem 2011 publizierten Gesprächsband (siehe weiter unten) fündig.

An dieser Stelle folgt stattdessen eine kleine Literaturhandreichung für jüngere Leser. Denn Maschke ist nicht mehr jedem ein Begriff. Freilich: Das liegt nicht nur an vermeintlicher oder tatsächlicher Lesefaulheit von Teilen der nachrückenden Generationen. Das liegt auch schlicht daran, dass sich der Autor und Publizist Maschke, der mehrere Sprachen beherrschte und vor allem in der romanischen Welt seine Bewunderer fand, in den vergangenen Jahren rar gemacht hat. Akribisch aufbereitete Editionen von Donoso Cortés und Carl Schmitt besaßen für ihn oberste Priorität – er musste und wollte nicht regelmäßig Rezensionen, Artikel oder Essays in diversen Periodika vorlegen. 

Dennoch: Aus Maschkes Feder stammen bleibende Schriften, die überwiegend nur noch antiquarisch zu erwerben sind. Wer sich dafür interessiert, wird im Netz fündig. 

Drei Titel sind einführend zu nennen. (Ich führe zu ihnen nach meiner subjektiven Gewichtung, nicht nach chronologischen oder anderen Kriterien aus.)

  1. Das bewaffnete Wort. Aufsätze von 1973–1993, Wien 1997. 

    Klänge es nicht ketzerisch, würde ich meinen: Alles, was Maschke zu sagen hatte, steht zwischen den zwei Buchdeckeln dieses Bandes. Schlüsseltexte wie »Die Verschwörung der Flakhelfer« (1985) und »Sterbender Konservatismus« (1987) sind ebenso enthalten wie seine Eloge auf Pierre Drieu la Rochelle (»Die schöne Geste des Untergangs«, 1980). Maschke überarbeitete diese Drieu-Würdigung im Sommer 2010 für mein eigenes Erstlingswerk Eurofaschismus und bürgerliche Dekadenz (Kiel 2011) und gewährte mir den Abdruck als Vorwort. Das erfüllte mich damals und noch heute mit Dankbarkeit. Es dürfte nicht zuletzt einigen Lesern des Eurofaschismus eine Art »Vorschussvertrauen« abgerungen haben: »Wenn Maschke sich dafür hergibt, musste es ja taugen«, sagte mir ein, zwei Jahre später tatsächlich ein etwas betagter Leser bei einem Treffen in Norddeutschland. 

  2. Verräter schlafen nicht, Kiel 2011.

    200 Seiten Maschke, 200 Seiten Spannung. Maschke steht Rede und Antwort zu seiner Zeit in der illegalen KPD, seiner Fahnenflucht, dem Aktivismus in Wien, dem Exil auf Kuba. In dem ihm eigenen Stil beschreibt er seine Abkehr von links und den Weg nach rechts, erzählt von der »Edition Maschke«, in der er Liebhaberprojekte umsetzte, bevor er zu seinem Lebensthemen – Carl Schmitt und der Krieg, Donoso Cortés und der Katholizismus – finden sollte. Abschließend spricht Maschke frank und frei über die »Neue Rechte« und was er eigentlich so von ihr hält. Deren Chancen, da machte er sich nichts vor, seien äußerst gering. Aber: »Pessimist sein und kämpfen, das ist die zugegebenermaßen schwierige Aufgabe.«

  3. Kritik des Guerillero. Zur Theorie des Volkskriegs, Frankfurt/Main 1973.

    Ganz vom damaligen Geist geprägt, ist Maschkes 
    Kritik des Guerillero vom »Befreiungskampf« internationaler Revolutionäre, vor allem Lateinamerikas, geprägt. Mit »Guerilla« erfasste Maschke das »irregulär kämpfende Volk«, das einer regulären Armee Widerstand leistet. Clausewitz, Schmitt und Mao finden in einer Synthese zusammen, wenn Maschke als »Dortgewesener« die Kubanische Revolution und verwandte Bestrebungen analysiert. Klar war für Maschke schon damals: »Sorel siegte über Marx«, denn auch für die Kubaner waren Mythen, zumal nationale, bei ihrem antiamerikanischen Freiheitskampf bedeutender als marxistische Kategorien.

Gewiss könnte man weitere Bücher des gebürtigen Erfurters und Wahl-Frankfurters hervorheben, etwa die Textsammlung Der Tod des Carl Schmitt (Wien 1987/2012). In diesen drei genannten Werken ist jedoch die Essenz des Maschke-Werkes enthalten. Wer also Zugang finden möchte zu jenem Autor, den der BRD-Haus-und-Hof-Philosoph Jürgen Habermas als »einzigen Renegaten der Achtundsechziger-Bewegung« bezeichnete (und damit nicht nur Bernd Rabehl unrecht tat), sollte mit diesen Bänden seinen rechten Einstieg finden. 

Günter Maschke, Ruhe in Frieden. 

(Autor: Benedikt Kaiser)

2 Gedanken zu „Günter Maschke ist tot“

  1. Danke für diesen hervorragenden Nachruf. Neben der ihm zustehenden Würdigung seines mutigen und bewegten Lebens, gibt Benedikt Kaiser einen nicht nur subjektiven Überblick über sein umfassendes geistiges Schaffen zu Politik, Philosophie und Literatur. Es ist Anspruch mich damit weitergehend zu beschäftigen.

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