Guillaume Faye: Ideenhistorie

Oder: Die fayenen Unterschiede.

Das Interesse, das dem außerparlamentarischen rechten Milieu ab 2015 zugekommen ist, hat eine Verjüngung, aber auch eine weitere Diffusion »der Rechten« mit sich gebracht. Eine »Generallinie« ist auch nach bald 80 Jahren nicht auszumachen.

Umso wertvoller ist das Ringen um die Begriffe und Auslegungen für »unsere« Lageanalyse. Die Würdigung dieses unablässigen Vorgangs der Verbesserung und Verschärfung des Realitätszugriffs ist wohl das Ziel der Manöverkritiken aus der Feder des altgedienten »Szene«-Autors Werner Olles mit seiner »liebenswerte[n] Bescheidenheit«1. Diese mahnen in unregelmäßiger Folge mit feiner Selbstironie die »Häutungen« konservativer Geister, das »rechtspopulistische Psychodrama« oder jüngst ein »Hamsterrad der Illusionen«, in dem »die Neue Rechte« sich verausgabe, an. Nun gehört Olles zu jener ständig kleiner werdenden Gruppe an Autoren, deren Vita radikal linke Flegeljahre samt deren Überwindung vorzuweisen hat, wie etwa auch der im vergangenen Jahr verstorbene Günter Maschke, und ist aus jener Zeit mit dem Stellenwert von Kritik und Selbstkritik als »selbstverständlichen Orientierungsmittel[n]«2 wohl vertraut. Gleichwohl ist der letztgenannte Beitrag zu seiner Textfolge etwas unklar formuliert, sodass er seine erkennbar gute Absicht der Ermutigung des Nachwuchses an junger rechter politischer Theorie – im konkreten Fall Benedikt Kaiser, der Jungeuropa Verlag und der Titel Die Konvergenz der Krisen – hoffentlich nicht verfehlt.

Von hinten durch die Brust ins Auge

Denn was uns Werner Olles in seiner scheinbaren Buchbesprechung nach drei Absätzen zum Thema tatsächlich serviert, sind rund eine Druckseite an Bedrängnissen des heutigen Europa gefolgt von einer Anprangerung der »Neuen Rechten« als gefühlskalt gegenüber den Überfremdungsängsten »älterer Bürger« sowie schließlich die Bewerbung von Leben und Werk des französischen Publizisten Guillaume Faye (1949–2019). Wir wechseln von der Thematisierung einer realpolitisch orientierten Theoriehandreichung zu einer neoreaktionären Fantasie, die wortwörtlich als Überbau einer Science-fiction-Kurzgeschichte entstand.3

Nun handelt es sich dabei geradezu um einen Kategorienfehler, das sprichwörtliche »Äpfel-mit-Birnen-Vergleichen«. Denn immerhin liegt Fayes Schrift über die von ihm prophezeite »Konvergenz der Katastrophen«4, auf die sich Olles bezieht, nicht nur gar nicht in deutscher Übersetzung vor, sondern ist im französischen Original auf Wunsch des damaligen Pariser Verlages unter dem Pseudonym Guillaume Corvus bereits 2004 erschienen und entstammt somit einer beinahe gänzlich anderen Welt als der unsrigen. Das äußert sich darin etwa in der Vorhersage einer Verschärfung der weltweiten HIV-Ausbreitung, die nicht eingetreten ist.

Die unnötig aufgemachte Frontstellung »Kaiser vs. Faye« und ganz offen »Alt vs. Jung« schadet allen Beteiligten, auch dem Leser, dessen Erkenntnisgewinn sich leider in Grenzen hält. Allerdings lässt sich allein daraus, dass Olles einen altgedienten Denker des nicht linken europäischen Nonkonformismus hochleben lässt und dessen Lektüre nahelegt, kaum ein Vorwurf ableiten. Auf den sprichwörtlichen Schultern von Riesen stehen wir schließlich alle, und das ist auch recht so, braucht das Rad der Weltanschauung doch wahrlich nicht neu erfunden zu werden. Werner Olles selbst hat aus seiner Frankfurter Zeit als Fahrer von Karl Dietrich »KD« Wolff, Vorsitzender des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, den dortigen Cheftheoretiker Hans-Jürgen »HJ« Krahl – gemessen an den von ihm verfaßten Nachrufen – bis heute in offenbar besonders guter Erinnerung, die eigenen Postulate »[b]is zum endgültigen Sieg der Weltrevolution!«5 verständlicherweise eher nicht so sehr.

Zur „Causa Guillaume Faye“

Ähnlich wie bei Olles stand auch bei Guillaume Faye selbst am Anfang (1970–1986) eine »radikale« Phase als Mitglied – und nicht »Mitbegründer« (Olles) – des 1968 entstandenen Groupement de Recherche et d’Études pour la Civilisation Européenne (GRECE), des Keimblattes der von den feindseligen französischen Mainstreammedien so getauften6 Nouvelle Droite (»Neue Rechte«), wo er sich als Autor und Redner einen Rang als zweiter großer Theoretiker nach dem GRECE-Gründer Alain de Benoist erarbeiten konnte. Wenig bekannt bzw. schnell vergessen ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass der rasche Aufstieg des jungen Faye ganz wesentlich auf dessen Status als Protegé des italienischen Journalisten Giorgio Locchi (1923–1992) zurückgeht, einer Éminence grise des frühen GRECE, der mit seiner Nietzsche-Exegese und Antikeverehrung die Vorarbeit für alle wesentlichen Schriften auch und gerade des späten Faye7 leistete. Abgesehen vom Einfluss Locchis ruhten Fayes theoretische Abhandlungen – nicht wirklich so originell, wie Olles ihm nachruft – ganz auf der GRECE-üblichen Mischung klassisch antiliberaler Denker (Carl Schmitt, Martin Heidegger, Julien Freund …) mit undogmatischen Linken (etwa Guy Debord, Gilles Deleuze oder dem vom Neomarxisten zum Kulturkonservativen gewendeten US-Historiker Christopher Lasch), der sich heute noch spätberufene GRECE-Schüler wie der Russe Alexander Dugin befleißigen. Zu jener Zeit war Faye ebenso vehement antiamerikanisch wie antizionistisch ausgerichtet und begrüßte die Islamische Revolution im Iran 1979.

Vor diesem Hintergrund nehmen sich Fayes abruptes Ausscheiden aus dem GRECE 1986 samt seiner postwendenden Distanzierung und zornigen Kritik an diesem sowie konkret an der Person Benoists unfreiwillig komisch aus. Es ist jedenfalls offenkundig nicht so, dass sich das GRECE »1986 faktisch auflöste«, wie Olles offenbar versehentlich postuliert. Es existiert ja bis heute und hatte wesentlichen Anteil am Aufbau erfolgreicher jüngerer Organisationen, deren herausragendste das 2014 gegründete Institut Iliade ist. Richtig ist, dass nach einem gewagten und spektakulär gescheiterten entristischen Vorstoß – der befreundete Journalist Louis Pauwels hatte im Herbst 1978 einige GRECE-Funktionäre in die Redaktion des als Gegengewicht zum linksliberalen Nouvel Observateur neu gegründeten Le Figaro Magazine gehievt, was die bis dahin distanziert-interessierte Mainstreampresse zu wütenden Attacken auf die nun als geschickt getarnte Neonazis angeprangerten »Neurechten« animiert hatte8 – ab Anfang der 1980er eine allgemeine Absetzbewegung der »Karrieristen« innerhalb des GRECE stattfand. Faye, ehedem einer der vehementesten Verfechter des an die Lehren Antonio Gramscis angelehnten Konzeptes der Metapolitik – also des langfristig angelegten Strebens hin auf »kulturelle Hegemonie« –, befand dieses für durch die Realität widerlegt und nahm folgerichtig Abstand von der »Neuen Rechten« insgesamt, deren konstitutives Merkmal die metapolitische Zielsetzung ist (und nicht etwa die Distanzierung von »nationalsozialistischen« Versatzstücken9).

Vorbildfaktor fraglich

Während Faye und andere hofften, nun ein Auskommen im Front National unter Jean-Marie Le Pen finden zu können, grenzte sich Benoist als öffentliches Gesicht der Organisation zunehmend scharf von ebendieser Partei und ihrem Parteichef – den er stets für einen Idioten gehalten hatte und auch ausdrücklich so nannte – ab. Der Bruch mit den »Karrieristen« war also vorprogrammiert, einschließlich gegenseitiger Schuldzuweisungen.

Eine Parteikarriere blieb Faye aufgrund seiner weithin bekannten radikalen Positionen jedoch ebenfalls verwehrt, was der wahre Hintergrund seiner 1986 öffentlichkeitswirksam vollzogenen Absage an jede Politik und inhaltlichen 180-Grad-Wende war. Er ließ dem ein betont schwungvolles Eintauchen in den kulturellen Mainstream folgen und verdingte sich die nächsten zehn Jahre lang als Entertainer beim Hip-Hop-Radiosender Skyrock und im Frühstücksfernsehen von France 2, als Print-Boulevardjournalist (der von einem dezidiert antichristlich-neuheidnischen Standpunkt aus öfters für eine stärkere Sichtbarkeit Homo- und Transsexueller gerade unter Halbwüchsigen eintrat) sowie – laut eigener Aussage – als Pornodarsteller.10 Die von Olles im Besonderen Benedikt Kaiser und im Allgemeinen »der Mehrheit der ›Neuen Rechten‹« zum Vorwurf gemachte »Arroganz und Ignoranz« gegenüber dem von ihm beworbenen »außergewöhnlichen Gelehrten« Faye mausert sich mit dieser notwendigen Kontextualisierung zum gesunden Misstrauen gegenüber unsicheren Kantonisten.

Das sollte sich umso deutlicher zeigen, als Faye Ende der 1990er, unzufrieden mit den begrenzten Möglichkeiten in den besagten Medienproduktionen, tatsächlich zum GRECE zurückkehrte, das ihn trotz seiner früheren Ausfälle erneut aufnahm. Dazu mag beigetragen haben, dass er als Markstein seiner Rückkehr in die politische Publizistik 1998 L’Archéofuturisme veröffentlichte und damit milieuintern für Aufsehen sorgte. Faye organisierte Veranstaltungen mit Neuheiden ebenso wie mit traditionalen Katholiken, mit Monarchisten ebenso wie mit Nationalisten oder gar tribalistischen Nationalanarchisten. Seine Skizze einer »archäofuturistischen« Zukunft indes erteilte allen solchen antimodernistischen Gruppen eine Absage, weil diese weiter die liberal-progressive lineare Zeitvorstellung anerkennten, und stellte als Gegenmodell in ausdrücklicher Übernahme nietzscheanischer Konzepte seines GRECE-Gönners Giorgio Locchi einen Übergang zu »vitalistischem Konstruktivismus«11 mit »sphärischem Geschichtsverständnis«12 in Aussicht.

Ein neues Kissen fand dieser Kopf dann passgenau zum »Ende vom Ende der Geschichte«, der US-geführten westlichen Wendung gegen die arabische Einflusssphäre, und zwar mit La Colonisation de l’Europe, das aufgrund seines Biologismus zum neuerlichen und endgültigen Bruch mit Benoist und dem GRECE führte. In der Folge versuchte er, sich als Chefideologe des Kulturvereins »Terre et Peuple« (eines Kreises von Renegaten aus GRECE und Front National) zu etablieren – in diesem Kontext wurde seine Schrift über die »Konvergenz der Katastrophen« publiziert. Faye machte sich dort jedoch mit La Nouvelle Question juive (»Die neue Judenfrage«) 2007 derart unbeliebt, dass er fortan nur noch als Solitär publizierte. Anekdotische Evidenz ist zu Recht nicht viel wert, doch spricht es Bände, dass Karlheinz Weißmann – als ausgewiesener Kenner der Nouvelle Droite und Autorenkollege Werner Olles’ bei der Jungen Freiheit der Parteilichkeit wohl unverdächtig – mich im Herbst 2013 in Schnellroda aufgrund eines Missverständnisses besorgt fragte, ob ich tatsächlich einen Faye-Vortrag besucht hätte, weil er diesen für einen »völlig Verrückten« halte.

Der lange Traum vom Reich

Vor diesem Hintergrund schneidet schließlich Olles’ Titulierung Fayes als »der eigentliche Vater der ›Identitären Bewegung‹« ohne Not den gesamten Traditionsstrang der historischen »Identitären Bewegung« ab. Seine Funktion als Schärfer des europäischen Verständnisses von Identität lag gerade nicht in einer völlig neuartigen Vision, sondern in einem »frischen« und geradezu zeitgeistigen Neuaufguss dessen, was ein halbes Jahrhundert zuvor – einem beliebten, aber wenig stichhaltigen Mem gemäß: von »altrechten« Denkern – bereits ausführlich niedergelegt worden war.

Denn während Werner Olles noch die Berliner Anarchistenzeitschrift agit 883 mit dem Aufruf beschloss, »Faschisten« zu »beißen«13, waren die »Faschisten« ihrerseits schon seit Langem mit der geopolitischen Neuordnung beschäftigt, die Olles in seiner Faye-Eloge leider missverständlich als »visionäre[] Gedankenskizzen [einer] ausbaufähigen Theorie der Gegenrevolution« desselben dargestellt hat: Schon 1964 hatte der umtriebige Belgier Jean-François Thiriart sein Manifest Un empire de 400 millions d’hommes l’Europe14 veröffentlicht und darin ein »eurosowjetisches« Reich »von Dublin bis nach Wladiwostok« projektiert. Eine derart griffige Formulierung, dass Alexander Dugin, der mit Thiriart gegen dessen Lebensende zusammenarbeitete und offenbar viel von ihm übernahm, sie in seinem 1997er-Werk Основы геополитики (»Grundlagen der Geopolitik«) ausführlich thematisierte. Dass dieses Buch, mit dem Dugins publizistische Wendung weg vom »Nationalbolschewismus« und hin zum »Eurasianismus« begann, nur wenige Monate vor Fayes inhaltlich sehr ähnlichem L’Archéofuturisme erschien, ist ein wahrlich denkwürdiger Zufall. Umso bemerkenswerter, Es spricht Bände, dass Olles in seinem Text wohl instinktiv die inhaltliche Verbindung zwischen Faye als Epigone Thiriarts und Dugins Tochter Daria herstellt.

Thiriart seinerseits war stark beeinflusst vom mysteriösen neospenglerianischen US-Kulturphilosophen Francis Parker Yockey,15 der eine solche Vision gegen Petty nationalism, welcher sich leicht von USA und Sowjetmacht überwältigen lasse, bereits 1948 (!) in der pseudonym publizierten Grundlagenschrift Imperium aufgezogen hatte, den apokalyptischen Tonfall inklusive:

Die einzige Hoffnung auf Erfolg liegt im Ausmaß und der Gründlichkeit des ersten Schrittes, des Triumphs der Imperiumsvorstellung in den relevanten Köpfen. Dann kann keine Macht innerhalb der Zivilisation mehr der kulturellen Wiedervereinigung widerstehen, die den Norden mit dem Süden, die Teutonen mit den Latinern, die Protestanten mit den Katholiken, Preußen, England, Spanien, Italien und Frankreich vereinen wird für lauernde Herausforderungen.


Ulick Varange: Imperium, Bd. 2, London 1948, S. 275. Die deutsche Ausgabe ist leider stark gekürzt und nur von musealem Wert: Francis Parker Yockey: Chaos oder Imperium. Das Abendland zwischen Untergang und Neubeginn, Tübingen 1976.

In den darauffolgenden zwölf Jahren bis zu seinem unnatürlichen Tod bemühte sich Yockey um eine rege, aber letztlich weitgehend vergebliche internationale Vernetzungstätigkeit zwischen verschiedensten Organisationen eines »Dritten Weges« innerhalb der Blockkonfrontation. Über seine engen Kontakte zur westdeutschen Sozialistischen Reichspartei bzw. Deutschen Reichspartei lief sein Gedankengut im Gründungsversuch einer paneuropäischen nationalistischen Bewegung mit Thiriarts Wirken zusammen. Das geistige Erbe dieser von Linken sogenannten Eurofaschisten ähnelte der berüchtigten, bewusst provokanten späteren Aussage Alain de Benoists: »Manche können sich nicht mit dem Gedanken abfinden, eines Tages die Mütze der Roten Armee tragen zu müssen. Wahrlich keine angenehme Zukunftsaussicht! Wir aber dulden nicht den Gedanken, einmal bei Brooklyn unsere restlichen Tage mit hamburgers ver-leben zu müssen«, geschrieben im Kontext, dass eine gewaltsame sowjetische Unterjochung Widerstandsgeist nähren und die Wiedergeburt Europas befördern könne, wohingegen das westlich-liberale Gift des Konsums letztlich alles zerfresse: »Jede Diktatur ist niederträchtig, jeder Untergang ist noch niederträchtiger. Die Diktatur kann uns morgen einzeln töten. Der Untergang vernichtet aber unsere Überlebenschancen als Volk.«16

Eine alte Geschichte

Unterm Strich erweist sich der gesamte innerrechte Bruderzwist einmal mehr als, stark verkürzt gesagt, einer zwischen Kulturalisten und Essenzialisten (über den Vektor der »Anschlussfähigkeit«).17 Das wird wohl auch noch bis auf Weiteres so bleiben, obwohl sich die verhärteten Fronten angesichts globaler Phänomene wie Ukraine- und Gazakrieg rapide verflüssigen – und zwar, nota bene, zugunsten der Krisen- statt der Katastrophenkonvergenz. Die milieuinterne Auseinandersetzung hat es verdient, mit offenem Visier ausgetragen zu werden statt mit Strohmännern und Krokodilstränen über angebliche Gefühllosigkeit gegenüber überfremdeten Senioren. Auch kann es nicht schaden, sie auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen. Denn, mit den Worten des Olles gut bekannten Günter Maschke: »Nicht weil es keine Unterschiede gebe [sic!], sondern weil die falschen Leute dazu auffordern und man das außerdem nicht vor den Ohren des gemeinsamen Feindes tut.«18 Die Problematik ist bereits Jahrzehnte alt, und so muss offenbleiben, wann dieser Teufelskreis des Gezänkes einmal sein Ende finden wird – hoffentlich bald.

  1. Siegfried Bublies: »Werner Olles zum 80. Geburtstag: ein sozialpatriotischer, ein sanfter Reaktionär«, wir-selbst.com vom 12. September 2022. ↩︎
  2. Lorenz Erren: »Selbstkritik« und Schuldbekenntnis. Kommunikation und Herrschaft unter Stalin (1917–1953), München 2008, S. 146. ↩︎
  3. Vgl. Guillaume Faye: Archeofuturism. European Visions of the Post-Catastrophic Age, London 2010, S. 57. Konsequenterweise wurde denn auch lediglich diese Geschichte – ohne die theoretische Dekoration – ins Deutsche übersetzt. ↩︎
  4. Vgl. Guillaume Faye: Convergence of Catastrophes, London 2012. Überhaupt stellt Fayes seit Ende der 1990er durchgehendes Gerede von Katastrophen als Grundvoraussetzung der von ihm propagierten chiliastischen Reichserlösungsvorstellung die Maximalfassung jener »Tag-X-Mentalität« dar, deren Determinismus Benedikt Kaiser in seinem Buch völlig zu Recht kritisiert und von der etwa auch »Identitären«-Vertreter Martin Sellner regelmäßig ausdrücklich Abstand nimmt. ↩︎
  5. Werner Olles: »keine amnestie für die justiz«; in: agit 883 62/1970, S. 14. ↩︎
  6. Tatsächlich nimmt die große Tragik dieser längst in ganz Europa und darüber hinaus verbreiteten diffusen Denkrichtung ihren Ausgang bereits damit, dass ihr, die sich selbst beharrlich als Nouvelle École, also »Neue Schule« im Sinne eines Ausweges aus der Rechts-links-Dichotomie bezeichnet(e), die Etikettierung als »Rechte« von außen erfolgreich übergestülpt und intern fast widerspruchslos hingenommen wurde. ↩︎
  7. Vgl. die prägnante Würdigung in Faye: Archeofuturism, S. 19, sowie passim in seinen sonstigen späten Werken ab Ende der 1990er-Jahre. ↩︎
  8. Vgl. u.a. Alain de Benoist: Mein Leben. Wege eines Denkens, Berlin 2014, S. 176–183. Bemerkenswert ist, wie sehr dieser Vorgang sich rund 15 Jahre später als weniger klägliche Präfiguration der bundesrepublikanischen Farce rund um die dreiköpfige »Neue Demokratische Rechte« erweisen sollte, in der die neokonservativen Autoren Zitelmann, Schacht und Schwilk innerhalb des Axel-Springer-Verlagskomplexes Einfluss zu entfalten versuchten. ↩︎
  9. Von der bedeutungsvollen Absage an reaktionäre Fantasien von einer Wiederherstellung der Monarchie, des längst verlorenen Kolonialreiches und sonstiger Relikte des 19. Jahrhunderts, die bereits Anfang der 1960er rund um den Multiaktivisten Dominique Venner in Frankreich durchzuschlagen begann, kann an dieser Stelle nicht gehandelt werden. Entsprechende Klärungen sind von dem für Ende 2024 angekündigten Buch Benedikt Kaisers über »die Neue Rechte« und die rechte Adaption des Gramscismus zu erhoffen. ↩︎
  10. Vgl. Stéphane François: »Guillaume Faye and Archeofuturism«; in: Mark Sedgwick (Hg.): Key Thinkers of the Radical Right. Behind the New Threat to Liberal Democracy, New York 2019, S. 91–101, hier S. 93. ↩︎
  11. Vgl. Faye: Archeofuturism, S. 56 ff. ↩︎
  12. Vgl. Guillaume Faye: Why We Fight. Manifesto of the European Resistance, London 2011, S. 160 ff. ↩︎
  13. Werner Olles: »beisst die faschisten …«; in: agit 883 24/1969, S. 5. ↩︎
  14. Etwas grob ins Deutsche übersetzt unter dem sperrigen Titel Eine Weltmacht von 400 Millionen Menschen: Europa. Die Geburt der europäischen Nation durch eine gesamteuropäische Partei, Brüssel 1964. ↩︎
  15. Vgl. Kerry Bolton: Yockey. A Fascist Odyssee, London 2018, S. 557–566, sowie Kevin Coogan: Dreamer of the Day. Francis Parker Yockey and the Postwar Fascist International, New York 1999, S. 541–551. Wer sich nicht auf die Analyse des Anarchisten Coogan verlassen mag, der bedenke, dass ein traditionalistischer Säulenheiliger bereits 1953 den durch Faye und Dugin übernommenen Europagedanken Yockeys und Thiriarts unter Namensnennung thematisiert und kritisiert hat; vgl. Julius Evola: Menschen inmitten von Ruinen, Tübingen, Zürich u. Paris 1991, S. 374–387. ↩︎
  16. Beide Zitate aus Alain de Benoist: Die entscheidenden Jahre. Zur Erkennung des Hauptfeindes, Tübingen 1982, S. 87 f. ↩︎
  17. Zur Klärung dieses und anderer Missverständnisse wird sicher der angekündigte Rückblick François Bousquet: Alain de Benoist à l’endroit. Un demi-siècle de Nouvelle Droite, Paris 2023, beitragen. ↩︎
  18. Günter Maschke: »‚Mit der Jugend damals wurde diskutiert‘«; in: Junge Freiheit vom 25. August 2000, S. 3. ↩︎

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